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Miron Zownir  |  NO!art involvement  
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PARASITEN DER OHNMACHT

Endpunkt  |  2007

Am Abend nahm er gewöhnlich den Bus und fuhr ans Ende der Stadt. Jeden Abend eine andere Endstation, bis er sie alle kannte und willkürlich und ohne System wiederholen konnte. Am Ende der Buslinie fuhr er mit einem anderen Bus in den entlegensten Vorort und von dort in eine andere Stadt, bis er auch diese kannte wie die Augen einer sterbenden Frau, in den toten Armen einer Endstation, wie man sie in alten Schwarzfilmen sieht. Dann begann er wieder von vorne, ohne dass er je vor einer Endstation ausstieg. Und immer zu Fuß einen Endpunkt suchte. Ein versperrtes Gelände oder die unüberwindbare Mauer eines Depots, mit dem Schild, das den Zutritt verbot. Immer die Grenze vor Augen, der die Unendlichkeit folgte. Wie ein Vorhang, den man zurückzog, damit man die Gitterstäbe bemerkte. Wo alles konkret mit dem Anfang aufhört. Der Ausblick der Endpunkt ist. Alles dort aufhört wo man ist oder war. Immer das selbe nichts, nein, verboten. Ohne die Gabe die Lebendigkeit eines einzigen Augenblicks wiederherzustellen. Oder die Zukunft vorauszuerleben.

Manchmal wenn er im Bus saß, träumte er von einer langen, mühsamen Pilgerfahrt, die ihn nirgendwo hinbringen würde. Oder der Endpunkt war ein horizontaler Kreis, der sich immer weiterentfernt, wie das verdrängte Licht vor der Dämmerung. Das Quietschen der Reifen an der letzten Station, vor dem Eingang zum Wahnsinn, das den Alptraum beendet.

Und er erinnerte sich vergangener Freuden mit der Trauer um den Verlust des Erlebten. Wie etwas Gewohntes, mit dem man auskommen musste. Die Mauer am Ende des Korridors oder die letzte Stufe der Leiter, 1000 Meilen vom Himmel entfernt.

Und sein Blick wanderte über die Gebäude hinweg zu dem Brachland hinter der Stadt, bis die Finsternis seinen vorläufig letzten Endpunkt ergab. So wie es sein wird, war oder ist. Ohne die Gabe den Tod zu verdrängen.

weiterführend:  Parasiten der Ohnmacht  Archiv

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