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    STUETZPUNKT

NACHRUF

Zum Tod von Wolf Vostell: 3. April 1998, Berlin

Nachruf von Boris Lurie

Der von den deutschen Künstemachers
Künstlernarren
mag unbeliebter, auch verhöhnter
reine deutsche schwerer StÜcke,
Schwergewichtler
Arisch Jude-Chossid
ist nun leider leider
seine Nein!Kunst NO!art blutend Krücken
auf dem gegenüber-Ufer dieses Flusses
Eingang laufen lassen:

und wir sollten sowohl möglich,
zur Vereinigung der ungeschäftlich
Leben-Todes unterdrückten Wirklich-Künste,
von hieraus, mit dieser diesseits Muskelwehe
ihm daran behilflich sein –
sind wir alle doch in seine Backen-Peyuss
betonhärtig, Vostellhaarig,
Vostellhartig eingehakt.

+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

13.04.1998 GESTORBEN | Wolf Vostell 65.
Wie ein Pascha aus Tausendundeiner Nacht nahm er seinen Platz in der deutschen Kunstszene ein, stets auffällig mit seinen silbrigen Schläfenlocken, mit Pelzkappe, Zigarre und dicken Ringen. Man sollte ihm ansehen, daß er Ästhet war, ewiger Provokateur, Liebhaber des Spektakels und Außenseiter in einer vorwärtsstrebenden bürgerlichen Gesellschaft. Der band er so manchen Betonklotz ans Bein, um sie abzubremsen und zum Nachdenken zu bewegen. "Ruhender Verkehr" hieß eine Skulptur, für die Vostell 1969 einen Opel Kapitän L in Stahlbeton goß - mit einer ähnlichen Auto-Arbeit, zwei Beton-Cadillacs, sollte er noch fast drei Jahrzehnte später die Berliner am Ku'damm ärgern. Der in Leverkusen geborene Schaffnerssohn war ein Veteran der aufrührerischen Fluxus-Bewegung der sechziger Jahre; mehr als hundert Happenings hatte er auf dem Buckel. Aber auch als Zeichner, Maler und Multimedia-Installateur reagierte Vostell auf die Zeichen der Zeit: manchmal haarsträubend schlicht und plakativ, immer aber mit Verve und kritischem Geist. Wolf Vostell starb am 3. April in Berlin an Herzversagen.
Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7674219.html

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